Nähtipp: Einreihen, Einhalten und Rüschen

Fältchen und Rüschen sind etwas, das einem beim Nähen immer wieder begegnet. Wir zeigen Euch in unserem Nähtipp, wie Ihr auf verschiedene Arten hübsche Rüschen zaubern könnt.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten etwas Einzureihen, Einzuhalten oder zu Rüschen.

Mit einem speziellen Reih- oder Kräuselfüßchen: Diese Füßchen sind aber meistens im normalen Nähmaschinenzubehör nicht enthalten und die einzuhaltende Mehrweite lässt sich bei dieser Methode nicht exakt regulieren.

Mit der Overlockmaschine einreihen: Hier stellt man die Fadenspannung der beiden Oberfäden höher und dreht den Differentialtransport hoch (dies könnt Ihr auch in der Anleitung der Nähmaschine nachlesen). Allerdings lässt sich aber auch hier nicht die genaue Reihweite regulieren.

Mit der normalen Nähmaschine kräuseln: Alles, was Ihr dazu tun müsst, ist die Fadenspannung und die Stichlänge erhöhen. Je höher Ihr die Fadenspannung stellt, desto stärker wird der Stoff gerafft. Nach dem Kräuseln veringert sich die Stofflänge um etwa 50%. Aus 1 m Stoffstreifen wird also ca. 50 cm Rüsche, eine ganz genaue Länge lässt sich aber leider nicht festlegen.

Von Hand einreihen: Hierbei ziehen wir mit einem Heft- oder Vorstich einen Heftfaden ein. Durch ziehen an Fadenenanfang- oder Ende reihen wir das Nähstück ein. Dieser Faden wird nach dem Annähen wieder entfernt.

Heute zeigen wir euch eine Methode, wie Ihr mit der Nähmaschine und einem normalen Geradstich einreiht, einhaltet und Rüschen macht. Für diese Technik näht Ihr zwei parallele Reihnähte vor. Durch Ziehen der Unterfäden wird die Mehrweite eingereiht.

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Einreihen/Einkräuseln

Einreihen bzw. Einkräuseln bedeutet, dass Ihr zwei verschieden lange Stoffteile habt. Das längere Teil muss auf die angegebene Länge eingereiht werden, damit die Naht später insgesamt die Länge des kürzeren Stoffteiles hat. So entsteht eine Raffung mit kleinen, regelmäßigen oder unregelmäßigen Fältchen. Dies kann zum einen als Verzierung verwendet werden oder zum Beispiel bei der Verarbeitung für Puffärmel, Stufenröcken oder auch an Kleidungsstücken im Hals- oder Taillenbereich.

In unserem Bild wird der karierte Stoff auf die Länge des unifarbenen Stoffes eingereiht.

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Um ein schönes und gleichmäßiges Reihergebnis zu erhalten, näht Ihr zwei parallele Nähte mit einem Geradstich innerhalb der Nahtzugabe vor. Das hat auch den Vorteil, dass diese später nicht entfernt werden müssen. Stellt euch eine längere Stichlänge ein und lockert die Fadenspannung. So könnt Ihr später leichter an den Fäden ziehen. Bei einer Nahtzugabe von 1 cm näht Ihr also mit einem Kantenabstand von 0,4 cm und 0,8 cm Eure Reih-Nähte. Am Anfang und Ende vernäht Ihr die Fäden nicht mit einem Rückstich, sondern lasst die Fäden mindestens 10 cm lang hängen. Das ist wichtig, weil Ihr sonst nicht mehr am Faden ziehen könnt.

Wir haben hier mit schwarzem Nähgarn genäht damit Ihr es besser sehen könnt.

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Auf einer Seite verknotet Ihr die Fadenenden miteinander, damit sie beim Ziehen nicht herausrutschen können.

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Auf der anderen Seite zieht Ihr nun gleichzeitig an den Unterfäden. So wird der Stoff eingekräuselt.

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Wenn die gewünschte Länge erreicht ist, verknotet Ihr auch hier die Fadenenden miteinander. Dann verteilt Ihr die Fältchen gleichmäßig, in dem Ihr den Stoff gleichmäßig auf den Fäden verteilt. Wenn Ihr ein sehr langes Stück habt, das eingehalten werden soll, dann empfiehlt es sich das in mehreren Abschnitten zu machen. Dies erleichtert Euch das gleichmäßige Einreihen – und wenn der Faden einmal reisst, ist nicht die ganze Länge „kaputt“ und muss neu genäht werden.

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Dann legt Ihr die beiden Stoffteile rechts auf rechts aufeinander. Legt die Schnittkanten bündig und steckt sie zusammen.

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Nun näht Ihr die beiden Teile zusammen. In unserem Beispiel näht Ihr bei 1 cm, also knapp neben der zweiten Reihnaht.

Wichtig: Vorher bitte die Fadenspannung und Stichlänge auf „normal“ einstellen.

Achtet beim Nähen darauf, dass die Fältchen sich nicht wieder verschieben. Evtl. helft Ihr mit den Fingern oder einer Schere etwas nach.

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Nun versäubert Ihr die Naht noch und bügelt Sie ganz vorsichtig in Richtung den glatten Stoffstückes.

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Einhalten muss man z.B. die Ärmelweite oder die Schulternaht am Rückteil. Hierbei handelt es sich um eine geringere Mehrweite als beim Einreihen. Dabei wird mit kleineren Stichen vorgenäht und es kommt nicht zu einer Fältchenbildung wie beim Einreihen. Wir erklären euch dies mal an einem Ärmelbeispiel. Im Bild sichtbar ist ein Ärmel der im Bereich der Armkugel eingehalten werden soll damit der später richtig im Armloch sitzt, sowie das Vorder- Rückteil in den der Ärmel eingenäht werden soll. Die Markierungen der Schulternaht und des vorderen Ärmels haben wir jeweils auf der linken Stoffseite nach dem Schnittmuster an den entsprechenden Teilen bereits mit Schneiderkreide angezeichnet.

Wenn die Mehrweite sehr gering ist, ist es vor allem bei dehnbaren Stoffen auch möglich einfach das kürzere Teil beim nähen etwas zu dehnen und somit die Mehrweite einzuhalten, dies ist aber besonders für einen Nähanfänger etwas schwierig.

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Nun markiert Ihr Euch am Ärmel nach eurem Schnittmuster, Anfang und Ende des Bereiches der eingehalten werden soll. Dies macht Ihr auf der rechten Stoffseite mit Stecknadeln.

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Dann näht Ihr euch zwei parallele Einhaltenähte vor. Mit geradem Stich, einer kleineren Stichlänge und die Spannung lasst Ihr ganz normal oder eher etwas fester eingestellt. Bei einer Nahtzugabe wie in unserem Fall bei 0,4 cm und 0,8 cm Abstand zur Schnittkante. Am Anfang und Ende vernäht Ihr die Fäden nicht mit einem Rückstich sondern lasst die Fäden mindestens 10 cm hängen. Wir haben das mit weißem Nähgarn gemacht damit es für euch besser sichtbar ist.

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Die Stecknadeln könnt Ihr jetzt entfernen. Auf einer Seite verknotet Ihr die Fadenenden miteinander.

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Wenn die gewünschte Länge erreicht ist, verknotet Ihr auch hier die Fadenenden miteinander.

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Verteilt die Einhalteweite mit den Fingern gleichmäßig. Dann bügelt Ihr ganz vorsichtig auf die eingehaltene Kante, damit keine kleinen Fältchen entstehen und alles schön glatt liegt. Achtet darauf, dass Ihr das Bügeleisen nicht schiebt, sondern Stelle für Stelle punktweise bügelt. Hebt den Ärmel am Saum „hoch“ dann tut Ihr Euch leichter.

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Jetzt könnt Ihr schon ganz gut die Form der Armkugel erkennen.

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Danach legt Ihr den Ärmel rechts auf rechts mit dem Vorderteil bzw. Rückteil zusammen, beachtet Eure Markierungen und steckt die Kanten zusammen.

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Jetzt näht Ihr die beiden Teile mit 1cm Nahtzugabe zusammen. Die Stichlänge und Fadenstärke wieder normal einstellen. Unser Ärmel wurde jetzt offen eingenäht, es gibt natürlich auch Modelle bei denen zuerst Seiten- und Unterarmnaht geschlossen werden. Das ändert aber nichts an der Einhaltemethode.

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Versäubert die Nahtzugaben anschließend zusammen. Jetzt seht Ihr wie schön der Ärmel im Armloch aussieht. Ohne Einhalteweite würde er spannen – wie viel Weite nötig ist, ändert sich von Modell zu Modell.

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Rüschen

Rüschen dienen meistens der Verzierung, z.B. für Bekleidung wie Dirndl, Rock- und Schürzenabschlüssen. Natürlich macht sich eine Rüsche auch immer schön an Kinderkleidern. Aber auch an Kissen oder anderen Dekorationen sind sie hübsch anzusehen. In unserem Bild ist der karierte Stoff als Rüschenstreifen und der unifarbene Stoff auf den er aufgenäht wird.

Den Rüschenstreifen haben wir an den Längskanten versäubert.

Als Faustformel für Rüschen gilt, je nachdem wie der Rüscheneffekt gewünscht ist wird ein Streifen von 3-4 cm Breite (oder wie gewünscht) mindestens doppelt bis dreifach so lange zugeschnitten, wie die fertige Länge der Rüsche sein soll. Diese werden dann auch eingereiht.

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Jetzt wählt Ihr eine lockere Fadenspannung und ein große Stichlänge. Dann näht Ihr auf dem Rüschenstreifen zwei parallele Nähte mit einem Geradstich im Abstand von 0,5 cm zur Mitte.

Die Fadenenden wieder mindestens 10 cm stehen lassen und nicht mit einem Rückstich vernähen.

Wir haben das wieder mit schwarzem Nähgarn gemacht damit ihr es besser erkennen könnt.

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An einer Seite verknotet Ihr die Fäden miteinander.

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Durch ziehen der Unterfäden auf der anderen Seite rüscht Ihr den Streifen auf die gewünschte Länge ein.

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Wenn die gewünschte Länge erreicht ist, verknotet Ihr auch hier die Fäden miteinander und verteilt die Fältchen gleichmäßig mit den Fingern.

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Jetzt legt Ihr die Rüsche an gewünschter Stelle auf und steckt sie mit ein paar Nadeln fest.

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Nun wird die Rüsche in der Mitte zwischen den beiden Nähten angenäht. Dies könnt Ihr mit einem Geradstich, Zick-Zack-Stich oder einem anderen Zierstich machen. Alles ist möglich, ganz wie es Euch gefällt.

Achtet darauf, dass Euch die Fältchen nicht beim Nähen durch das Nähmaschinenfüßchen verschoben werden, helft evtl. mit den Fingern oder einer Schere etwas nach.

Achtung! Vorher wieder die Fadenspannung und Stichlänge normal einstellen.

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Zum Schluss entfernt Ihr dann noch die Reihfäden.

Für Rüschen die an einer Seite in einer Naht mit gefasst werden sollen, werden die beiden Reihnähte einfach an einer Kante innerhalb der Nahtzugabe vorgenäht wie beim Einreihen in Schritt 2 beschrieben. Folgt dann Schritt 3-4 und faßt dann die Rüschen in der vorhergesehenen Naht mit.

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So, jetzt kennt Ihr einige Grundtechniken, wie Ihr Rüschen und Reihen könnt! Wir wünschen Euch viel Spaß bei Euren ersten Projekten – wir werden im Blog auch bald eine Nähanleitung für Euch haben, für die Ihr diese Techniken sehr gut nutzen könnt.

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